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Alt 15.05.2013, 16:44
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Alterwolf Alterwolf ist offline
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Lächeln Karaganda in Kasachstan

Die Vorgeschichte ohne P6

Zum besseren Verständnis: Wie alles begann, wie das Leben dort abläuft und die Situation der Bevölkerung.
Der Wechselkurs liegt fast immer bei 1:200

Wen es nicht interessiert der soll einfach dieses Kapitel überspringen. Ich hatte schon vor längerer Zeit den Gedanken mal hier zu berichten, aber da es sehr unwahrscheinlich oder besser das Erlebte kaum nachvollziehbar ist habe ich das auf Eis gelegt.

In letzter Zeit haben mich mehrere Mitglieder darauf angesprochen also werde ich das Projekt in Angriff nehmen und in unregelmäßigen Abständen, wenn ich in DE bin neue Abschnitte posten.
Seit gut 1 ½ Jahren arbeite und lebe ich in Kasachstan. 8 bis 12 Wochen vor Ort, dann eine Woche hier zu Hause. Meine Firma hat für mich eine kleine Wohnung, Einlieger Wohnung, in einem Neubaugebiet gemietet und bezahlt da Hotels auf Dauer teurer sind. So brauche ich mich nur von meinem Auslandsspesensatz zu verpflegen. Mittagessen gibt es in der Kantine. An Feiertagen oder Wochenenden kocht Maria für mich mit. Sie hält auch meine Wohnung in Schuss, wäscht für mich mit und füllt meinen Kühlschrank. Die Einkäufe bezahle ich ihr nach Ausgaben und für das andere zahle ich ihr 2€ pro Tag. Wenn wir im Sommer grillen über nehme ich öfters die Ausgaben für Getränke, Fleisch und Zubehör, das sind dann meistens knapp 10€. Für einen Labello Stift zahlt man in der Apotheke knapp 1,50€, für Vitamin V, die 4er Packung a 100mg Hergestellt in Russland, knapp 30€. Hat man die Kohle schon in der Hand bekommt man die ohne Nachfrage.

Im Laufe der Zeit habe ich so zu meinem Vermieter, ein jüngeres Ehepaar (Maria und Gregor)beide an die 40, einen super Kontakt aufgebaut. Terrasse, Grill, Garten, alles darf ich mit benutzen. Maria kümmert sich um Haus und Hof. Gregor arbeitet irgendwas am Internationalen Flughafen in Astana. Was habe ich noch nicht in Erfahrung gebracht oder er will es nicht erklären. Aber er hat sehr viele Sterne und Abzeichen in Gold an seiner Uniform. Und: Er hat sehr gute Verbindungen und viele Freunde die ihm gerne einen Gefallen erweisen. Sonst hätte er bestimmt kein eigenes, neues kleines Haus.
Zu Haus aber hat Maria die Hosen an. Meistens jedenfalls. Im Sommer sind die recht knapp gehalten. Gregor hat die meiste Zeit wenn er zu Hause ist Alkoholverbot und mir hat sie das rauchen im gesamten Haus verboten. Raucht ihr mal eine auf der Terrasse wenn draußen 25 Grad Minus sind. Gregor versteckt den Schnaps in der Garage und für Nachschub habe ich zu sorgen damit Maria nichts mitbekommt. Männerfreundschaften entstehen so. Hat mir schon sehr viele Vorteile gebracht. Natürlich spielt auch das Geld von mir eine Rolle. Aber sonst ist Maria ein richtig heißer Feger. Besonders wenn sie im Sommer im Garten oder auf der Terrasse ist. Das Grundstück ist nicht einsehbar weil ein hoher Zaun drum herum ist. Sicherheit und Sichtschutz, muss man hier haben.

Das Leben der „normalen“ Bevölkerung ist nicht gerade einfach. Es gibt kaum eine soziale Absicherung. Von der Altersrente kann kaum einer leben. Viele ältere Leute sieht man am Straßenrand wo sie etwas Obst, Gemüse oder sonstigen Kram verkaufen müssen. Oft sind es nur 4 bis 5 Teile die sie auf Holzkisten ausbreiten und anbieten. Egal bei welchem Wetter. Bei den Wohnungen ist es nicht viel anders. Alle unterer Sozialstandart sage ich. Nur ein paar Vorzeige Objekte. Aber dort sind auch nur die Fassaden renoviert, da hinter? Weiß der Teufel wo das Geld geblieben ist. Ein Schelm der böses dabei denkt.

Das genaue Gegenteil sind die neuen Shoppingcenter, wo man fast allen Luxus bekommt mit Preisen die nur ein Drittel billiger wie bei uns hier sind. Die könnten auch in Dortmund, Essen, Düsseldorf oder Köln bestehen.

Wenn ein Ehepaar sich trennt muss die Frau halt sehen wo sie bleibt. Deshalb bleiben viele Paare auch zusammen ob wohl der Kerl säuft wie ein Loch, fickt was ihm vor die Flinte kommt und sie auch öfters ein paar aufs Maul bekommt. Deutsche stehen übrigens, besonders bei der alleinstehenden weiblichen Bevölkerung, sehr hoch im Kurs.

Ein absolut hochqualifizierter Facharbeiter verdient im Monat so an die 250€. Ein Gymnasiallehrer ca. 300€. Es gibt kaum eine Mittelschicht. Mietbeihilfen und solche „Spielereien“ gibt es nicht. Gymnasium und Uni kosten Geld. Viele junge Leute studieren in Russland weil es dort preiswerter ist. Bestimmt 20% der Bevölkerung des Landes ist an der oberen Spitze was man sofort an der Kleidung den Autos sieht welche sie fahren.
Toyota Land Cruser, Mercedes ML, BMW X5, Lexus Geländewagen und Limousinen der Luxusklasse. Bei der jüngeren Bevölkerung muss man nur beobachten welches Handy sie spazieren tragen.

Ich selber fahre dort auch einen Geländewagen den mir Gregor besorgt hat. Einen 18 Jahre alten Lada Niva den hat Gregor von einem „Bekannten“ vorher auf Vordermann hat bringen lassen und den habe ich dann für kleines Geld bekommen. Technisch ist er absolut Top. Von außen sieht er aus wie Hulle. Es ist ein Benziner und er säuft so an die 12 bis 14 Liter Sprit. Der Liter kostet im Schnitt an die 0,85 bis 0,90€. Man muss ja nicht alles aus posaunen. Wie heißt das: Understatement.

Ende der Vorgeschichte ohne P6.
Sollte es Lust auf mehr machen, sagt Bescheid
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